Befristete Lehrerverträge
Vielleicht habt ihr schon einmal gehört oder es miterlebt, dass Lehrer nur für eine bestimmte Zeit an der Schule sind, weil sie nur einen kurzfristigen Vertrag bekommen. Das heißt also, dass die Lehrer nur ein Jahr an der Schule unterrichten dürfen. Manchmal kommt es dazu, dass ein Vertrag eines Lehrers noch einmal verlängert wird, sodass er länger an der Schule bleiben kann. Das nennt man Kettenbefristung. Vielen Lehrern bleibt dann oft nur noch die Möglichkeit, sich arbeitslos zu melden und Arbeitslosengeld zu beziehen. Für Referendare wird es schwieriger, weil bei ihnen dieser Fall nicht eintrifft. Sie gehen einen schwereren Weg und müssen eventuell Harz IV beantragen.
Nach Angaben der Behörde meldeten sich in den Sommerferien des Jahres 2012 bundesweit 5400 angestellte Lehrer mehr als im Vorjahr arbeitslos.
Spitzenreiter 2012 war Baden-Württemberg mit einem Anstieg um unglaubliche 1400 Prozent, gefolgt von den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Bayern und Hessen. (Quelle: http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/lehrer-arbeitsvertrag-kettenbefristung-bag/)
Auch mehrere Lehrer an unserer Schule haben solche Verträge. Unter anderem Herr Baudner, bis Ende dieses Schuljahrs, Herr Groß bis Mitte Juni und noch andere Lehrer.
Hier ein Interview mit Herr Baudner über dieses Thema:
Pervisum: Sie haben ja einen befristeten Vertrag, der nur bis zum Ende dieses Schuljahres läuft. Wie finden Sie das und würden Sie gerne weiter an unserer Schule unterrichten, wenn ja, warum?
Herr Baudner: Es ist gängige Praxis von Seiten der ADD, nicht seitens der Schule, Lehrkräften Jahresverträge (wenn überhaupt) zu geben. Es kann auch passieren, dass man Monatsverträge oder Verträge von Ferien zu Ferien bekommt. Man hangelt sich also sehr ungewiss in die Zukunft, planungssicher ist dabei nichts. Unter dieser Vertragspraxis leiden in erster Linie die Schüler, da diese sich immer an einen neuen Lehrer gewöhnen müssen.
Diese Entwicklung liegt daran, dass Gelder gespart werden, da Vertretungslehrer billiger bezahlt werden können als verbeamtete Lehrer; für die gleiche Arbeit bei einem 24h-Debutat. Eine Sauerei ist auch die Tatsache, dass es passieren kann, dass man vor den Ferien entlassen wird und nach den Ferien wieder eingestellt wird. Aus reiner Geldsparerei der Landesregierung.
Klar würde ich gerne weiter unterrichten, ich darf es nicht, da ich bereits drei Vertretungsverträge erfüllt habe und ich nach dem vierten Vertrag juristisch das Recht auf Festanstellung hätte. Dagegen sperrt sich die ADD und entlässt in solchen Fällen lieber Vertretungslehrer. Ursprünglich dient diese Regelung dazu, Kettenverträge zu unterbinden, die ADD hebelt dies auf perfide Art und Weise aus, indem sie Lehrer für ein halbes Jahr sperrt, ich würde weiter arbeiten, darf es aber nicht. Dies empfinde ich als Frechheit, da sogar Bedarf da ist. Dies wissen eigentlich die wenigsten Leute, die ADD ist meiner Meinung nach eine höchst intransparente Behörde, die es bestens versteht, Geld zu sparen; im Sinne des Bedarfs an Schulen wird nicht entschieden, auch nicht im Sinne der Schüler.
Ich empfinde die Schule als sehr positiv, besonders das Kollegium ist klasse. Auch in Bezug zur Organisation und Struktur ist die Karthause nur zu loben. Die Schüler sind alle nett. Klar, es gibt schwierige Schüler, die gibt es aber an anderen Schulen auch.
Pervisum:Wie hoch, denken Sie, stehen die Chancen, dass Sie weiter an unserer Schule unterrichten?
Herr Baudner: Die Chancen stehen gleich null, da ich, wie eben erwähnt, gesperrt werde. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Pervisum: Hätten Sie schon Ideen an Welche Schule oder was Sie dann machen würden, wenn Sie nicht mehr an unserer Schule unterrichten würden?
Herr Baudner: Habe ich nicht, nein. Mehr kann ich auch hierzu leider nicht sagen. Erfahrungsgemäß öffnet sich meist eine Tür, allerdings bin ich es Leid, mir über „ungelegte Eier“ den Kopf zu zerbrechen.
Ein Artikel von Alexander Wiß (6c)