Diplomchemiker

Was macht man als Diplomchemiker?

Der Diplomchemiker versucht in einem Forschungsinstitut oder in der Industrie neue Substanzen und Stoffe (wie Polymere) herzustellen und deren Eigenschaften oder Verhaltensweisen mithilfe von Experimenten zu erforschen und zu optimieren. Dabei stellt der Diplomchemiker verschiedene theoretische Forschungsideen auf und untersucht diese im Nachhinein im Labor, um am Ende mögliche neue Resultate protokollieren und weitergeben zu können.

Bin ich für diesen Beruf geeignet?

Wer eine große Begeisterung an Forschung und Naturwissenschaften hat, ist hier auf jeden Fall richtig! Doch reicht das allein nicht aus, um in den Beruf einsteigen zu können: Bei der Versuchsplanung sowie im Labor ist sowohl analytisches Denken und zum Teil auch räumliches Vorstellungsvermögen gefragt, als auch die Fähigkeit über den Tellerrand hinausgucken zu können. Außerdem muss man als Forscher sehr viel Geduld und ein hohes Durchhaltevermögen mitbringen, da Experimente nicht von Anfang an wie geplant funktionieren können.

Kommunikation ist auch ein wichtiger Bestandteil in der Forschung, größtenteils wird Englisch gesprochen, da Forschungsergebnisse weltweit ausgetauscht werden und viele Forscher aus den verschiedensten Teilen der Welt z.B. auf Tagungen zusammenkommen. Um herauszufinden, ob man geeignet ist, kann man ein Praktikum z. B. in Schülerlaboren an Universitäten, in der Industrie oder in einem Krankenhauslabor vorab absolvieren.

Gibt es sonstige Besonderheiten, die der Beruf mit sich bringt?

Wenn man in diesen Beruf einsteigen möchte, sollte einem auf jeden Fall klar sein, dass man viele Protokolle schreiben muss oder Graphiken aufstellen muss, die die Versuchsergebnisse festhalten. Das Dokumentieren ist ein wichtiger Bestandteil im Beruf, erst recht in den Forschungsinstituten, weswegen das Berichteschreiben über neue Erkenntnisse zum Alltag gehört.

Dazu kommt, dass man nicht den ganzen Tag im Labor verbringt, sowie es sich die Meisten wünschen würden, man verbringt auch viel Zeit im Büro oder befindet sich auf Dienstreisen oder wichtigen Konferenzen.

Später, wenn man sich in der Promotions-/Habilitationsphase befindet (oder diese abgeschlossen hat), ist man auch oft an Universitäten beim Betreuen von Vorlesungen, Übungen oder Praktika anzutreffen, da dies im späteren Berufsverlauf mit dazugehört, denn das Forschen bringt auch das Lehren mit sich.

 

Welchen Weg muss ich eingehen, um in diesem Beruf tätig zu sein?

Zunächst einmal ist ein Abitur erforderlich, da man für diesen Beruf studieren muss. Bevor man studiert, ist es jedoch möglich, erst eine Ausbildung als Chemielaborant zu machen, ansonsten beginnt man direkt biomedizinische Chemie an der Universität zu studieren. In fünf Jahren kann man dann sein Bachelor und Master of Science in Chemistry absolvieren. Während der Semester sind verschiedene Schwerpunkte anzutreffen, z. B. Organik, Polymerwissenschaften oder Analytik. Als Wahlfächer ist es auch möglich, sein Wissen in biophysikalischer Chemie oder Pharmazie zu erweitern.

Nach dem Studium folgt in der Regel eine ca. dreijährige Promotion, wodurch man dann seinen Doktor in Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.) erhalten kann. Häufig bietet sich danach noch für weitere zwei Jahre eine Tätigkeit als Postdoc an, welcher aber nicht verpflichtend ist. Finanziell gelten dieselben Regelungen wie bei den meisten Ausbildungen, entweder man bezahlt alles oder man holt sich Unterstützung über die BAföG. Wenn man dann einen Beruf als Polymerchemiker in der Industrie gefunden hat, bedeutet das nicht, dass man sofort in die Forschung einsteigen kann. Dies ist erst möglich, wenn ein Forschungsprojekt bevorsteht und dann kann man als frisch promovierter Forscher eine Summe von ca. 4 400 (Brutto) erhalten, später kann die Summe bis zu ca. 5400 ansteigen. Für eine Universitätskarriere ist danach oft noch eine fünfjährige Habilitation notwendig, um als Professor Vorlesungen halten zu können.

 

Gibt es Sonstiges, worauf ich achten sollte?

Natürlich arbeitet man im Labor mit verschiedenen gefährlichen Substanzen (z. B. krebserregende Stoffe), die spezielle Schutzkleidung benötigen und mit denen besonders umgegangen werden muss, jedoch sollte man keine große Angst haben, weil man im Studium darauf vorbereitet wird. Außerdem sollte einem bewusst sein, dass manchmal Tierversuche durchgeführt werden müssen, um Gefahren für den menschlichen Körper auszuschließen (jedoch gibt es schon Alternativen, Tierversuche so oft wie möglich zu vermeiden). Der Beruf im Allgemeinen ist nicht sehr stabil, solange man nicht mit einem größeren Forschungsprojekt beschäftigt ist. Aber für die Zukunft hat der Beruf viele Perspektiven, da aktuelle Themen wie die Globalisierung, die Klimaveränderung und die Digitalisierung neue Herausforderungen an die Forschung stellen.

Alice Fedulov (11 MSS)