Alltag während meines Schüleraustauschs in Norditalien, Brescia
Während meines Schüleraustauschs in Norditalien konnte ich den Alltag in einer Gastfamilie miterleben. Dabei sind mir viele Dinge aufgefallen, die sich deutlich von meinem Alltag in Deutschland unterscheiden. Besonders stark war der Unterschied in der allgemeinen Stimmung: Die Menschen wirkten sehr offen, nahbar und gleichzeitig viel entspannter. Viele Situationen wurden gelassen genommen, niemand schien sich zu stressen und man ließ sich insgesamt mehr Zeit für Gespräche und gemeinsame Momente.
Direkt nach der Ankunft in meiner Gastfamilie wurde ein wichtiger Teil des italienischen Alltags deutlich: die gemeinsamen Mahlzeiten. Schon am ersten Abend saßen wir alle zusammen. Doch neben dem Essen wurde auch viel und lange geredet, erzählt und gelacht. Diese soziale Atmosphäre hat mich überrascht, weil man sich viel mehr Zeit füreinander nahm als ich es von zuhause gewohnt bin.
Der Schulalltag war ebenfalls in einigen Punkten anders. Den Weg zur Schule haben wir meistens mit dem Bus zurückgelegt, auch kürzere Strecken. In Deutschland läuft man oft schnell irgendwohin, aber dort wurde fast immer gefahren.
In der Schule selbst waren die Schüler sehr offen und wollten direkt mit mir sprechen, was den Einstieg für mich leichter gemacht hat. Im Vergleich dazu sind viele Schüler in Deutschland am Anfang eher zurückhaltend. Der Unterricht war meist frontal und teilweise etwas monoton, aber die Lehrer haben sich bemüht, michso gut wie möglichin den Unterricht einzubinden. Auffällig war außerdem, wie gelassen alle mit Zeit umgingen. Zu spät kommen war bei Schülern aber auch bei Lehrern nicht ungewöhnlich. In den Pausen blieb fast jeder im Schulgebäude, während man in Deutschland oft kurz rausgeht oder sich mehr bewegt.
Nach der Schule wurde wieder gemeinsam gegessen. Danach war der Nachmittag eher ruhig. Sport oder Bewegung spielten kaum eine Rolle und auch Spaziergänge oder ähnliche Aktivitäten gab es selten. Stattdessen haben wir manchmal Tee getrunken und gemeinsam Karten- oder Brettspiele gespielt. Diese ruhige Gestaltung des Nachmittags war für mich sehr ungewohnt, aber auch interessant zu beobachten.
Das Abendessen fand deutlich später statt als in Deutschland und zog sich oft lange hin. Nach dem Essen haben wir noch lange geredet und sind erst spät ins Bett gegangen. Im Gegensatz dazu wird bei mir zuhause meist früher gegessen, oft nicht gemeinsam und jeder eher dann, wenn es gerade passt.
Insgesamt habe ich die Menschen als sehr offen und den Lebensstil als ruhig und gelassen erlebt. Ich konnte während meines Austauschs viel über den italienischen Alltag lernen und habe gemerkt, wie unterschiedlich ein normaler Tagesablauf sein kann. Auch wenn ich manche Dinge anders aus Deutschland gewohnt bin, war es spannend zu erleben, wie wichtig dort Gemeinschaft und gemeinsame Zeit sind.
Kiana Jass (10a)
veröffentlicht am 19.2.2026