Schulalltag in Italien - Erasmus+
Wie stellt man sich eigentlich einen ganz normalen Schulalltag in Italien vor? Genau das habe ich mich auch gefragt, bevor ich meinen Erasmus+-Austausch gemacht habe. Ich heiße Sabrina und habe vom 9. Januar bis zum 23. Januar an einem individuellen Schüleraustausch in Italien, genauer gesagt in Brescia, teilgenommen. Zuerst möchte ich sagen, dass ich die Zeit dort wirklich sehr angenehm fand. Ich habe jeden Tag genossen, viele neue Erfahrungen gesammelt und würde so einen Austausch auf jeden Fall jedem weiterempfehlen. Ich würde es selbst jederzeit wieder machen. Ich habe dort sehr herzliche Menschen kennengelernt, neue Freundschaften geschlossen und auch persönlich viel mitgenommen. Es war übrigens nicht mein erster Austausch, denn vor zwei Jahren habe ich schon einen Gruppenaustausch in Spanien gemacht. Dadurch hatte ich schon ein bisschen Erfahrung, aber Italien war trotzdem nochmal etwas ganz anderes.
In diesem Bericht möchte ich vor allem die Unterschiede im Schulalltag zwischen Deutschland und Italien zeigen, besonders die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern, weil mir das am meisten aufgefallen ist. Was ich direkt gemerkt habe, war, wie viel enger und entspannter das Verhältnis dort ist. Die Lehrer wirken nicht nur wie Autoritätspersonen, sondern eher wie Unterstützer. Man kann mit ihnen reden, sie hören zu, machen Witze und sind allgemein lockerer. Im Unterricht war es oft so, dass die Schüler auch mal geredet oder gelacht haben und die Lehrer nicht sofort streng geworden sind. Solange es noch halbwegs zum Thema gepasst hat, war das okay. Ich hatte das Gefühl, dass sie mehr Verständnis und Empathie zeigen und sich eher in die Schüler hineinversetzen, anstatt einfach nur vorne zu stehen und zu sagen, dass jetzt alle still sein sollen. Dadurch war die Stimmung viel angenehmer und man hat sich eher getraut, etwas zu sagen.
Ein weiterer Unterschied ist, dass es dort keine mündlichen oder epochalen Noten gibt wie bei uns. Das heißt, man wird nicht ständig bewertet, nur weil man sich meldet. Dadurch haben viele Schüler weniger Angst, etwas Falsches zu sagen, und beteiligen sich freier am Unterricht. Gleichzeitig ist es aber auch gut für schüchterne Schüler, weil sie nicht gezwungen sind, sich dauernd zu melden. Dafür sind die schriftlichen Arbeiten umso wichtiger und man muss sich darauf mehr vorbereiten.
Was mir auch aufgefallen ist, war das Mitschreiben. Viele tippen wirklich jedes einzelne Wort auf ihren iPads mit und haben nach einer Stunde mehrere Seiten Notizen. Das ist praktisch, weil man später alles nachlesen kann, aber manchmal hatte ich das Gefühl, dass man sich mehr aufs Tippen konzentriert als aufs Zuhören.
Sehr positiv fand ich das Essen in der Schule. Die Cafeteria bietet warmes Frühstück, warme Mahlzeiten und allgemein viel mehr Auswahl, auch gesündere Sachen. Im Vergleich dazu gibt es bei uns nur einen kleinen Kiosk, wo man kaum warmes oder wirklich gutes Essen bekommt. Das fand ich dort deutlich besser organisiert.
Auch die Schulzeiten sind ganz anders. Meistens haben sie schon gegen 13 Uhr Schluss. Dadurch haben sie viel mehr Freizeit am Nachmittag. Meine Austauschpartnerin kam nach Hause, hat gegessen, gelernt und hatte danach noch genug Zeit für Freunde oder Familie. Bei uns endet die Schule oft erst um 16 Uhr und danach muss man noch Hausaufgaben machen, wodurch kaum Zeit für sich selbst bleibt. In dem Punkt wirkte ihr Alltag viel entspannter. Dafür haben sie allerdings auch samstags Schule. Das war für mich eher ungewohnt und ein kleiner Nachteil, weil man nicht ausschlafen kann und ein Teil vom Wochenende fehlt. Zwar geht die Schule nur bis 13 Uhr, aber trotzdem ist der Tag nicht komplett frei.
Die Unterrichtsstunden dauern dort außerdem 60 Minuten statt 45 Minuten wie bei uns. Dadurch haben sie zwar weniger Fächer pro Tag, aber die Konzentration so lange zu halten, ist echt anstrengend. Das habe ich selbst gemerkt. Auch die Pausen sind viel kürzer, insgesamt nur zwei, die erste 15 Minuten und die zweite nur fünf Minute,n was im Vergleich zu unserem System weniger Erholung ist.
Gut fand ich wiederum, dass Schüler zusätzliche Unterstützung bekommen, wenn sie schlechter in einem Fach sind. Sie können extra mit der Lehrerin üben oder sich in den Ferien verbessern. Dort zählt nicht nur die Note, sondern auch der Einsatz und der Wille. Das finde ich sehr fair.
Insgesamt würde ich sagen, dass beide Schulsysteme ihre Vor- und Nachteile haben, aber man sich von beiden Seiten etwas abschauen könnte. Für mich war dieser Austausch eine richtig schöne und lehrreiche Erfahrung, die mich nicht nur schulisch, sondern auch persönlich weitergebracht hat. Hiermit möchte ich zeigen, wie viel man aus so einem Austausch mitnehmen kann und wie viel Glück man eigentlich hat, an einer Erasmus-Schule zu sein und solche Chancen zu bekommen. Deshalb würde ich jedem raten, selbst einmal einen Austausch zu machen und Erfahrungen in anderen Ländern zu sammeln, solange man die Möglichkeit dazu hat.
Sabrina Abdulkadir (MSS 11)
veröffentlicht am 11.02.2026